“Die Bushido-Story zeigt auch, wie machtvoll das Medium Print sein kann, wenn Form und Inhalt stimmen. Das Fernsehen hat die Macht des bewegten Bildes aber es versendet sich auch vieles. Als geschriebener Text ist die Geschichte vom Rap-Star, der sich in die falschen Kreise begibt, etwas Bleibendes. Schwarz auf Weiß, wie ein spannender Krimi. Aber es ist echt, es ist Journalismus. Guter Journalismus. Dazu kommt ein tolles Layout, das mit der überdimensional vergrößerten Unterschrift des Rappers unter die verräterische Vollmacht einsteigt. Bei allen Prügeln, die Blätter wie der stern in der Vergangenheit für Larifari-Titel immer wieder einstecken mussten: Eine Story wie “Bushido und die Mafia” kann einem den Glauben an den Journalismus so ein bisschen zurückgeben.
Was freie Journalisten verdienen: Der Berufsverband Freischreiber listet anonym gemeldete Honorare von Zeitungen und Zeitschriften in einem Blog auf Tumblr auf.
Die Liste ist – so sehen es die Macher - “ein Honorarpranger”, aber auch “eine Empfehlungsseite für gute Auftraggeber”.
Sachen gibt’s!
via www.turi2.de/2013/02/27/heute2-nordkurier-eigenem-mantel-15574080/
Strategien für die Zeitung von Morgen
“Das Problem der Tageszeitung ist nicht nur der Mangel an Geld. Sondern auch an Gedanken.”
Der Schweizer Journalist Constantin Seibt über Wege, “Produkte einer Vergangenheit, entworfen für ein Publikum, das aufhört, zu existieren” zukunftsfähig zu machen. Er rät zu mehr Kühnheit und einem Bruch mit den Ritualen des eigenen Mediums - so wie es beispielsweise der Sender HBO in der US-Fernsehlandschaft vorgemacht hat.
Das Buch als Magazin
So erklären die Macher, zwei Journalisten des Süddeutschen Verlages, das Konzept: ”Im ersten Teil des Heftes drucken wir einen Klassiker der Literaturgeschichte, gestaltet wie eine Reportage. Im zweiten Teil schreiben wir Geschichten aus dem Alltag unserer Gegenwart. Jede dieser Geschichten bezieht sich deutlich oder vorsichtig auf das Buch. So verknüpfen wir Literatur und Journalismus, Vergangenheit und Gegenwart (…)”
“Die Verwandlung” von Kafka ist das Thema der ersten Ausgabe von “Das “Buch als Magazin” (ET: 5. Feb. 2013, 12 Euro, Bahnhofsbuchhandel bzw. bestellbar via info@dasbuchalsmagazin.de)
The future of journalism
Die Debatte über den Medienwandel ist nicht erst seit Frankfurter Rundschau, FTD & Prinz ein Thema. In ihrem Essay “post industrial journalism” gehen die Autoren Anderson, Bell und Shirky den Fakten auf den Grund und zeichnen ein sehr scharfes Bild davon, was in noch in Zukunft auf die Medienwelt zurollt. Eine Zusammenfassung gibt es hier bei Meedia. Alles weitere gibt es auf der Seite von Tow Center for Digital Journalism.
“Das Blatt wendet sich”
Giovanni di Lorenzo, Chefredakteur der Wochenzeitung “Die Zeit”, über die Medienkrise und die Selbstdemontage einer ganzen Branche.
“Es gibt keine Branche in Deutschland, die sich so lustvoll und unheilvoll selbst beschädigt hat, wie es viele Verleger, Geschäftsführer und Journalisten der Printmedien getan haben. Sie begleiteten die Einführung ihrer Onlineangebote so manisch, als hätten sie permanent gekokst. Zu dieser Zeit hatten sie überwiegend Blätter, die reinste Gelddruckmaschinen waren; und sie waren Anteilseigner (und sind es trotz aller Schwierigkeiten immer noch) der in ihrer Vielfalt, Ernsthaftigkeit und Unabhängigkeit vielleicht besten Medienlandschaft der Welt. Nun überboten sie einander in der Lobpreisung des neuen Mediums. Was sie damit ihren bisher treuen und zahlenden Lesern auch vermittelten, war: Schön, dass ihr noch dabei seid, aber das Medium der Zukunft ist ein anderes, es ist das Internet. Entsprechend lieblos wurde plötzlich manche verdiente Regionalzeitung behandelt und mit Sparrunden entkernt; es entstand ein Berufsbild, in dem der Journalist kaum mehr ist als ein multimedialer Dienstleister, der den Input seiner Kunden moderiert.
(…)
Spätestens jetzt ist es an der Zeit, dass sich alle Beteiligten ehrlich machen. Der Gegensatz von Print und Online ist weitgehend aufgehoben, was und wie man liest, ist weitgehend eine Geschmacks- und Gewohnheitsfrage.
(…)
Allerdings ist das gedruckte Medium überhaupt nicht am Ende, es muss sich nur immer wieder öffnen für jene, die es erreichen will. Es darf sein Relevanzversprechen nicht brechen durch eine permanente Skandalisierung des politischen Lebens oder eine auf Dauer abstoßende Konformität der Meinungen. Es braucht Verleger, die Durststrecken aus Überzeugung durchhalten und die um die Grenze wissen zwischen notwendigem Kostenmanagement und einem Substanzverlust, der noch geschäftsschädigender ist als ein Anzeigenrückgang. Es braucht die Kooperation, nicht die Gegnerschaft zwischen Print und Online; beide bedingen einander. (…)”
Der komplette Artikel und weitere Hintergründe zur Medienkrise in “Die Zeit”, Nr. 48 v. 22.11.2012 - via http://goo.gl/xv04M
“Dem Handelsblatt hat Burdas Zeitschriften-Vorstand Philipp Welte verraten, dass sich die Print-Magazine des Verlags (u.a. Bunte, Focus, Freundin, Elle) im Jahr 2012 “absolut erfreulich” entwickelt hätten. Die Rede ist von einer Rekord-Rendite. Die Print-Rendite liege zwischen 15 und 20 Prozent, die Erlöse bei rund 650 Mio. (…)
“Brand eins” ist ein Projekt, ein Heft, das man eigentlich jedem nur stumm auf den Tisch legen müsste, wenn es mal wieder um die Zukunft des Journalismus geht. Wenn mal wieder geklagt wird, wie schwer es Printmedien doch haben, wie undankbar Leser sind, die alles nur noch umsonst im Internet haben wollen oder ohnehin auf den Weg in die intellektuelle Umnachtung sind. Und wenn man dann womöglich noch hört, der einzige Weg in die Zukunft seien weitere Spar- und Rationalisierungsmaßnahmen; mehr Praktikanten, weniger Journalisten, mehr Werbung, weniger Geschichten. “Brand eins” ist das genaue Gegenteil der Nölerei: opulente, lange, aufwendig recherchierte Geschichten; ausführliche Interviews, eine erlesene Optik.
"Wenn sich eine Zeitung selbst aufgibt"
“Die Zeitung wurde so lange zurechtkonfektioniert, bis sie sich selbst überflüssig machte”, schreibt der Journalist Michael Spreng - wie ich finde zutreffend - in einem “Nachruf” auf die Frankfurter Rundschau, die Mitte November 2012 Insolvenz anmelden musste.
“Zurechtkonfektioniert … ” Ein Gedanke, den man sich, fürchte ich, für weitere Zeitungsnachrufe in naher Zukunft leider auf Wiedervorlage legen muss.
Die geforderte “Stärkung der journalistischen Kompetenz”, mit deren Hilfe man dem Abwärtstrend im Zeitungssektor u.a. begegnen könnte (nicht nur die Erfolgsstory der Wochenzeitung “Die Zeit” zeigt, dass dies durchaus funktionieren kann), erreicht man aber nicht durch immer neue Sparrunden, die heute verlagsseitig gerne unter dem Begriff der “Nutzung von Synergie-Potentialen” daher kommen.
Die Attraktivität einer Zeitung im Zeitalter des Digitalen leitet sich nicht zuletzt davon ab, wie sehr es einer Redaktion gelingt, die veränderten Bedürfnisse ihrer (nachrichtentechnisch durch Gratisangebote der Onlinekonkurrenz meist ausreichend versorgten) Leserschaft zu erkennen und zu befriedigen.
Das heißt aber auch, nicht mehr zu versprechen als man halten kann. Und das, was man verspricht, kompetent, meinungsstark und - plattformübergreifend - im Dialog mit dem Leser zu vertreten.
Wo aber das personelle Fundament für diese ambitionierten Aufgaben in Redaktionen zu dünn wird (nach der x-ten “Synergie”-Runde) bzw. wo “Rettungskonzepte” von Verlagen in erster Linie darauf ausgerichtet sind, die Umsatzrenditen ihrer Objekte möglichst nahe an den Jahrzehnte lang vertrauten, hohen Margen zu halten, wird der kritischer gewordene Leser schnell Witterung aufnehmen.
Er wird Orientierungslosigkeit und/oder Aktionismus von Verlagen und journalistische “Mogelpackungen” aus Redaktionen als solche ausmachen und sich - wie im Fall Frankfurt geschehen - enttäuscht abwenden.
(Der gesamte Text “Wenn sich eine Zeitung selbst aufgibt” ist in Michael Sprengs Blog “Sprengsatz” nachzulesen)
“Ich glaube, wir müssen grundlegend begreifen, dass Zeitungen nicht einfach nur gedrucktes Papier sind, das jetzt aus der Mode kommt. Es sind wertvolle Marken, denen Bürger vertrauen. Das ändert sich nicht durch die Digitalisierung …
“Wie kaum eine andere Branche neigen wir Journalisten zum Clusterfuck. Sprich: Etwas wird zum Thema, weil andere Blätter es zum Thema erklären. Vogelgrippe, Killergurken, Wulff… you name it. Viel zu oft orientieren wir uns dabei an Medien-Kollegen, an Agentur-Berichten oder PR-Inszenierungen, statt uns auf unser Gespür zu verlassen und eigene Themen zu setzen. Das setzt natürlich voraus, dass man seine Sinne schärft für die Welt außerhalb der eigenen Redaktionswirklichkeit, dass man wieder lernt, zu beobachten, zuzuhören. Wieder selbst zum Telefonhörer zu greifen; respektive auf die Straße zu gehen, anstatt nur Copy-und-Paste-Journalismus aus zweiter oder gar dritter Hand zu betreiben.
Blogger Richard Gutjahr in seinem Artikel “Neue Hoffnung für Journalisten - 7 Tipps für die Zukunft”.
Anmerkung: Einige von Gutjahrs Thesen (“Zuhören”, “Marketing”, “Gute Geschichten”) zur Journalisten-Ausbildung/USA halte ich für überzeugend, andere (“Multitasking”) für weniger stichhaltig. Denn, im Gegensatz zu Gutjahrs Kronzeugen Jere Hester, glaube ich: “You can’t be a master of all trades”.
Making a Smart Newspaper
Researchers at the University of Central Lancashire have created a prototype of the world’s first newspaper that plays audio. Called Interactive Newsprint, the prototype is set to improve over the next few months as they test it on readers.
Here’s UCLan:
The platform is capable of capacitive touch interactions, which means that by touching various parts of the page, readers can activate content ranging from audio reports, web polls or advertising – all contained within the paper itself.
But the developments in printed electronics do not stop there. Digital devices and microphones, buttons, sliders, colour changing fibres, LED text displays and mobile communication can all be used in an interactive newspaper. Existing forms of local journalism and content are being used as part of the project to develop a range of interactive paper documents.
They’re also working directly with the community, involving readers in the development of their prototypes. Paul Egglestone, the project lead at UCLan, had this to say:
Through these workshops we are looking at how communities would develop this technology rather than how boffins in a laboratory would develop it. That’s such a strong element of what we’re doing. Being able to place the paper in the middle of the internet opens up a whole new ball park in the ways we can both tell stories, but also how we can collect data. Who’s holding the paper, who’s touching it, how are they interacting is part and parcel of the kind of stuff this project will explore.
H/T: journalism.co.uk
good:
This New York City Life: A New Storytelling Platform Takes a Deep Look at Life in the Five Boroughs
Narratively is a journalism venture focused on sharing the hidden human interest stories that New York media outlets often miss.


