Michael Schoepperl
Journalist und Inhaber von mbp - Agentur
für Kommunikation und Medienberatung
Berlin. You can email me
„Zeitungsverleger sind kreativer im Sparen und Kostendenken als im Eingehen auf die Interessen der Leser. Sie haben inzwischen dermaßen viel gespart, was auch auf die Qualität geht. (…) Zeitungsverleger meinen, der Leser merkt es nicht. Der aufmerksame Leser merkt es aber direkt, der oberflächliche Leser merkt es später
Helmut Markwort (u.a. Ex-Chefredakteur von “Focus”) in einem Interview mit dem Mediendienst newsroom.de 
Es wird permanent geschaut: Was machen die Anderen? Und natürlich wird unheimlich viel abgeschrieben in den Redaktionen. Weil immer weniger Zeit fürs Recherchieren da ist, wird sich anderswo schnell etwas angelesen, werden vorhandene Kontakte genutzt oder Pressemitteilungen unverändert veröffentlicht. So entsteht naturgemäß wenig Neues. Der Verlagsjournalismus agiert zu homogen, zu opportunistisch – was geil klickt, wird recycelt bis nichts mehr klickt. Gegen diese destruktiven Strukturen medialer Einförmigkeit müssen neue Erzählräume gestellt werden. Interessant ist doch: Gegenüber der enormen Unterhaltungs- und Erregungsdichte im Netz nimmt goodold Print gerade unbemerkt den Part einer kleineren Gegenöffentlichkeit ein.

Jasper Fabian Wenzel setzt mit dem Online-Magazin "Weeklys" auf Longform-Journalismus, kritisiert gleichzeitig die “hilflose Hektik” im verlagsgetriebenen Digitalgeschäft.

Das komplette Interview, erschienen bei VOCER, gibt’s hier.

Döpfner hat Springer mit allerlei digitalen Geschäften aufgepumpt, die gut laufen. Man bekommt bei Springer Pflegetipps für die Frau und Kaufempfehlungen für Salzstreuer, man kann über Springer Flüge buchen, Wohnungen finden und erfahren, wo es in der Nähe billige Schweinekoteletts gibt. Döpfner hat aus einem Verlag einen Supermarkt gemacht, in dem es an der Kasse auch ein paar Zeitungen gibt.

 "Der Kassierer" ist eine Story über den Vorstandsvorsitzenden von Axel Springer, Mathias Döpfner, im Spiegel 5/2014 (26.1.) betitelt.Autor Matthias Geyer zeichnet darin ein bitterböses Portrait des Mannes, der vor allem durch den spektakulären Verkauf eines Zeitungs- und Zeitschriftenpakets an die Funke Mediengruppe in den Verdacht geraten ist, er betreibe bei Springer den Ausverkauf des Journalismus. 

Der Text ist zzt. nur in der Printausgabe / Spiegel-App verfügbar. Der Branchendienst "Meedia" urteilt indes, dass das Portrait für Springer “ein veritabler Imageschaden” sei.

"Online findet man die Nachrichten, die kurzen, schnellen News, während man sich in gedruckter Form Themen widmet, die auch mal auf sechs oder acht Seiten behandelt werden können", sagt Journalist und Blogger Daniel Höly im Interview mit Sueddeutsche.de . 
Der 26-Jährige hat, via Crowdfunding, mit "Shift" ein Print-Magazin für Digital Natives auf den Markt gebracht. Auf Tumblr ist Höly übrigens hier unterwegs, von dort stammt auch das Foto, das ihn mit der ersten Ausgabe zeigt.

"Online findet man die Nachrichten, die kurzen, schnellen News, während man sich in gedruckter Form Themen widmet, die auch mal auf sechs oder acht Seiten behandelt werden können", sagt Journalist und Blogger Daniel Höly im Interview mit Sueddeutsche.de .

Der 26-Jährige hat, via Crowdfunding, mit "Shift" ein Print-Magazin für Digital Natives auf den Markt gebracht. Auf Tumblr ist Höly übrigens hier unterwegs, von dort stammt auch das Foto, das ihn mit der ersten Ausgabe zeigt.

Die Zeitungskrise reicht weit über eine Krise des Geschäftsmodells hinaus. Sie ist auch eine intellektuelle Krise. Es brechen nicht nur Leser und Einnahmen weg; es herrscht auch ein Vakuum an Plänen, Ideen, Strategien.

Tatsächlich scheinen die traditionellen Verleger neben dem Einstieg ins Internet nur eine Strategie zu verfolgen: Erst das Fett wegzuschneiden, dann die Muskeln und Blutbahnen. Oder gleich das ganze Paket zu verkaufen. Entweder an sendungsbewusste Milliardäre. Oder an auf Ausweiden spezialisierte Organhändler wie David Montgomery oder die Funke-Gruppe.

Der Schweizer Journalist Constantin Seibt in einem Beitrag zu “2020 - die Zeitungsdebatte”, einem Online-Forum des Magazins Spiegel 
Es ist im konkreten Fall eher Anlass für die klassische journalistische Geschichte von einem, der auszog, per verkündetem verlegerischen Mut die mutmaßlich Kleingläubigen in anderen Verlagen das Fürchten zu lehren. Jedoch aus Sorge, irgendwann ermordet zu werden, rechtzeitig Selbstmord beging.
Der Publizist Michael Jürgs in der Süddeutschen Zeitung über den Ausverkauf bei Axel Springer, den Medienstandort Hamburg und warum Mathias Döpfner bei der Wahl zum Verleger des Jahres die Finalrunde verpasst hat.

Yelp, TripAdvisor, Foursquare & Google: Urlaubstipps von der Schwarmintelligenz

digitalsirocco:

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Muss man sich 2013 noch einen Reiseführer kaufen oder reicht das Internet? Webseiten wie Yelp, Foursquare, TripAdvisor oder auch die neuen Google Maps schicken sich an, Lonely Planet, DuMont und Co. abzulösen - und das noch dazu kostenlos. Der Umstieg auf Internet-Dienste hat Folgen, wie sich auf meinen jüngsten Reisen nach Neuseeland, New York und in die Karibik zeigte. Denn statt bei den Experten von Lonely Planet, DuMont und Co. holt man sich seine Urlaubstipps bei der Masse - mit all seinen Vor- und Nachteilen. Ein Erfahrungsbericht.

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Die Bushido-Story zeigt auch, wie machtvoll das Medium Print sein kann, wenn Form und Inhalt stimmen. Das Fernsehen hat die Macht des bewegten Bildes aber es versendet sich auch vieles. Als geschriebener Text ist die Geschichte vom Rap-Star, der sich in die falschen Kreise begibt, etwas Bleibendes. Schwarz auf Weiß, wie ein spannender Krimi. Aber es ist echt, es ist Journalismus. Guter Journalismus. Dazu kommt ein tolles Layout, das mit der überdimensional vergrößerten Unterschrift des Rappers unter die verräterische Vollmacht einsteigt. Bei allen Prügeln, die Blätter wie der stern in der Vergangenheit für Larifari-Titel immer wieder einstecken mussten: Eine Story wie “Bushido und die Mafia” kann einem den Glauben an den Journalismus so ein bisschen zurückgeben.