Michael Schoepperl
Journalist und Inhaber von mbp - Agentur
für Kommunikation und Medienberatung
Berlin. You can email me
Die Bushido-Story zeigt auch, wie machtvoll das Medium Print sein kann, wenn Form und Inhalt stimmen. Das Fernsehen hat die Macht des bewegten Bildes aber es versendet sich auch vieles. Als geschriebener Text ist die Geschichte vom Rap-Star, der sich in die falschen Kreise begibt, etwas Bleibendes. Schwarz auf Weiß, wie ein spannender Krimi. Aber es ist echt, es ist Journalismus. Guter Journalismus. Dazu kommt ein tolles Layout, das mit der überdimensional vergrößerten Unterschrift des Rappers unter die verräterische Vollmacht einsteigt. Bei allen Prügeln, die Blätter wie der stern in der Vergangenheit für Larifari-Titel immer wieder einstecken mussten: Eine Story wie “Bushido und die Mafia” kann einem den Glauben an den Journalismus so ein bisschen zurückgeben.

120sekunden:

The future of journalism

Die Debatte über den Medienwandel ist nicht erst seit Frankfurter Rundschau, FTD & Prinz ein Thema. In ihrem Essay “post industrial journalism” gehen die Autoren Anderson, Bell und Shirky den Fakten auf den Grund und zeichnen ein sehr scharfes Bild davon, was in noch in Zukunft auf die Medienwelt zurollt. Eine Zusammenfassung gibt es hier bei Meedia. Alles weitere gibt es auf der Seite von Tow Center for Digital Journalism.


Direkter Download der Studie

Die Autoren bei Twitter: cshirky, emilybell, Chanders

“Das Blatt wendet sich”

Giovanni di Lorenzo, Chefredakteur der Wochenzeitung “Die Zeit”, über die Medienkrise und die Selbstdemontage einer ganzen Branche.

“Es gibt keine Branche in Deutschland, die sich so lustvoll und unheilvoll selbst beschädigt hat, wie es viele Verleger, Geschäftsführer und Journalisten der Printmedien getan haben. Sie begleiteten die Einführung ihrer Onlineangebote so manisch, als hätten sie permanent gekokst. Zu dieser Zeit hatten sie überwiegend Blätter, die reinste Gelddruckmaschinen waren; und sie waren Anteilseigner (und sind es trotz aller Schwierigkeiten immer noch) der in ihrer Vielfalt, Ernsthaftigkeit und Unabhängigkeit vielleicht besten Medienlandschaft der Welt. Nun überboten sie einander in der Lobpreisung des neuen Mediums. Was sie damit ihren bisher treuen und zahlenden Lesern auch vermittelten, war: Schön, dass ihr noch dabei seid, aber das Medium der Zukunft ist ein anderes, es ist das Internet. Entsprechend lieblos wurde plötzlich manche verdiente Regionalzeitung behandelt und mit Sparrunden entkernt; es entstand ein Berufsbild, in dem der Journalist kaum mehr ist als ein multimedialer Dienstleister, der den Input seiner Kunden moderiert.

(…)

Spätestens jetzt ist es an der Zeit, dass sich alle Beteiligten ehrlich machen. Der Gegensatz von Print und Online ist weitgehend aufgehoben, was und wie man liest, ist weitgehend eine Geschmacks- und Gewohnheitsfrage. 

(…)

Allerdings ist das gedruckte Medium überhaupt nicht am Ende, es muss sich nur immer wieder öffnen für jene, die es erreichen will. Es darf sein Relevanzversprechen nicht brechen durch eine permanente Skandalisierung des politischen Lebens oder eine auf Dauer abstoßende Konformität der Meinungen. Es braucht Verleger, die Durststrecken aus Überzeugung durchhalten und die um die Grenze wissen zwischen notwendigem Kostenmanagement und einem Substanzverlust, der noch geschäftsschädigender ist als ein Anzeigenrückgang. Es braucht die Kooperation, nicht die Gegnerschaft zwischen Print und Online; beide bedingen einander. (…)”

Der komplette Artikel und weitere Hintergründe zur Medienkrise in “Die Zeit”, Nr. 48 v. 22.11.2012 - via http://goo.gl/xv04M

Dem Handelsblatt hat Burdas Zeitschriften-Vorstand Philipp Welte verraten, dass sich die Print-Magazine des Verlags (u.a. Bunte, Focus, Freundin, Elle) im Jahr 2012 “absolut erfreulich” entwickelt hätten. Die Rede ist von einer Rekord-Rendite. Die Print-Rendite liege zwischen 15 und 20 Prozent, die Erlöse bei rund 650 Mio. (…)
Burda wächst 2012 auch mit gedruckten Zeitschriften” via Meedia-Online / Originalmeldung im Handelsblatt, S. 18, beide 21.11.2012
Brand eins” ist ein Projekt, ein Heft, das man eigentlich jedem nur stumm auf den Tisch legen müsste, wenn es mal wieder um die Zukunft des Journalismus geht. Wenn mal wieder geklagt wird, wie schwer es Printmedien doch haben, wie undankbar Leser sind, die alles nur noch umsonst im Internet haben wollen oder ohnehin auf den Weg in die intellektuelle Umnachtung sind. Und wenn man dann womöglich noch hört, der einzige Weg in die Zukunft seien weitere Spar- und Rationalisierungsmaßnahmen; mehr Praktikanten, weniger Journalisten, mehr Werbung, weniger Geschichten. “Brand eins” ist das genaue Gegenteil der Nölerei: opulente, lange, aufwendig recherchierte Geschichten; ausführliche Interviews, eine erlesene Optik.
Christian Jakubetz in seinem “JakBlog” - via http://goo.gl/qEA1N  #Brand eins 
Ich glaube, wir müssen grundlegend begreifen, dass Zeitungen nicht einfach nur gedrucktes Papier sind, das jetzt aus der Mode kommt. Es sind wertvolle Marken, denen Bürger vertrauen. Das ändert sich nicht durch die Digitalisierung …
Mercedes Bunz, frühere Online-Chefin beim “Tagesspiegel”, zuletzt beim “Guardian”, Bloggerin und Buchautorin im Interview mit dem Medienmagazin W&V.
Wie kaum eine andere Branche neigen wir Journalisten zum Clusterfuck. Sprich: Etwas wird zum Thema, weil andere Blätter es zum Thema erklären. Vogelgrippe, Killergurken, Wulff… you name it. Viel zu oft orientieren wir uns dabei an Medien-Kollegen, an Agentur-Berichten oder PR-Inszenierungen, statt uns auf unser Gespür zu verlassen und eigene Themen zu setzen. Das setzt natürlich voraus, dass man seine Sinne schärft für die Welt außerhalb der eigenen Redaktionswirklichkeit, dass man wieder lernt, zu beobachten, zuzuhören. Wieder selbst zum Telefonhörer zu greifen; respektive auf die Straße zu gehen, anstatt nur Copy-und-Paste-Journalismus aus zweiter oder gar dritter Hand zu betreiben.

Blogger Richard Gutjahr in seinem Artikel “Neue Hoffnung für Journalisten - 7 Tipps für die Zukunft”.

Anmerkung: Einige von Gutjahrs Thesen (“Zuhören”, “Marketing”, “Gute Geschichten”) zur Journalisten-Ausbildung/USA halte ich für überzeugend, andere (“Multitasking”) für weniger stichhaltig. Denn, im Gegensatz zu Gutjahrs Kronzeugen Jere Hester, glaube ich: “You can’t be a master of all trades”.  

futurejournalismproject:

Making a Smart Newspaper
Researchers at the University of Central Lancashire have created a prototype of the world’s first newspaper that plays audio. Called Interactive Newsprint, the prototype is set to improve over the next few months as they test it on readers.
Here’s UCLan:

The platform is capable of capacitive touch interactions, which means that by touching various parts of the page, readers can activate content ranging from audio reports, web polls or advertising – all contained within the paper itself.
But the developments in printed electronics do not stop there. Digital devices and microphones, buttons, sliders, colour changing fibres, LED text displays and mobile communication can all be used in an interactive newspaper. Existing forms of local journalism and content are being used as part of the project to develop a range of interactive paper documents. 

They’re also working directly with the community, involving readers in the development of their prototypes. Paul Egglestone, the project lead at UCLan, had this to say:

Through these workshops we are looking at how communities would develop this technology rather than how boffins in a laboratory would develop it. That’s such a strong element of what we’re doing.  Being able to place the paper in the middle of the internet opens up a whole new ball park in the ways we can both tell stories, but also how we can collect data. Who’s holding the paper, who’s touching it, how are they interacting is part and parcel of the kind of stuff this project will explore.

H/T: journalism.co.uk

futurejournalismproject:

Making a Smart Newspaper

Researchers at the University of Central Lancashire have created a prototype of the world’s first newspaper that plays audio. Called Interactive Newsprint, the prototype is set to improve over the next few months as they test it on readers.

Here’s UCLan:

The platform is capable of capacitive touch interactions, which means that by touching various parts of the page, readers can activate content ranging from audio reports, web polls or advertising – all contained within the paper itself.

But the developments in printed electronics do not stop there. Digital devices and microphones, buttons, sliders, colour changing fibres, LED text displays and mobile communication can all be used in an interactive newspaper. Existing forms of local journalism and content are being used as part of the project to develop a range of interactive paper documents. 

They’re also working directly with the community, involving readers in the development of their prototypes. Paul Egglestone, the project lead at UCLan, had this to say:

Through these workshops we are looking at how communities would develop this technology rather than how boffins in a laboratory would develop it. That’s such a strong element of what we’re doing.  Being able to place the paper in the middle of the internet opens up a whole new ball park in the ways we can both tell stories, but also how we can collect data. Who’s holding the paper, who’s touching it, how are they interacting is part and parcel of the kind of stuff this project will explore.

H/T: journalism.co.uk