Michael Schoepperl
Journalist und Inhaber von mbp - Agentur
für Kommunikation und Medienberatung
Berlin. You can email me
„Zeitungsverleger sind kreativer im Sparen und Kostendenken als im Eingehen auf die Interessen der Leser. Sie haben inzwischen dermaßen viel gespart, was auch auf die Qualität geht. (…) Zeitungsverleger meinen, der Leser merkt es nicht. Der aufmerksame Leser merkt es aber direkt, der oberflächliche Leser merkt es später
Helmut Markwort (u.a. Ex-Chefredakteur von “Focus”) in einem Interview mit dem Mediendienst newsroom.de 
Von Spiegel Online einmal abgesehen sind die meisten anderen Online-Plattformen zu großen Teilen Abspielstationen für Content, der für Zeitung, Zeitschrift, Radio oder Fernsehen beauftragt und produziert worden ist. (…) Wo bitte sind sie spektakulären Enthüllungen, die großen Stories, die vernetzten Produkte, die crossmediale Recherche, die unabhängigen Plattformen, vor allem aber: Wo ist die politische, gesellschaftliche – und somit journalistische Relevanz? Mit staunenden Augen schaut man zu, wie der politische Journalismus der “Old Boys” angesichts von großen Themen wie der Krim-Krise fest im Sattel sitzt (oder sogar: zurückschlägt?), wie marginalisiert “Netz-Themen” als solche verhandelt werden (nämlich unter: ferner liefen), während “Onliner” im Hoodie vermissten Flugzeugen hinterher tickern (der Live-Ticker als Online-Leitkultur*) – und davon auch noch Selfies bei Instagram hochladen.
Andrej Reisin, freier Journalist (u.a.”Onliner” beim NDR), zur Causa Plöchinger (hier bsp. eine Übersicht aus dem Berliner Tagesspiegel), die Arroganz des Medien-Establishments und inhaltliche Schwächen des Mediums “Online” —- den kompletten Reisin-Debattenbeitrag gibt’s hier.
We are thinking about a membership program where you pay for live access to the events that we can produce, rather than access to the journalism. We’re moving from just putting words on the paper to being the convener of conversations and discussions and ideas…The more digital the world becomes, the more appetite people have for real things.
The Guardian’s editor-in-chief, Alan Rusbridger, in an interview with the New York Times. (via endofjournalism)
Es wird permanent geschaut: Was machen die Anderen? Und natürlich wird unheimlich viel abgeschrieben in den Redaktionen. Weil immer weniger Zeit fürs Recherchieren da ist, wird sich anderswo schnell etwas angelesen, werden vorhandene Kontakte genutzt oder Pressemitteilungen unverändert veröffentlicht. So entsteht naturgemäß wenig Neues. Der Verlagsjournalismus agiert zu homogen, zu opportunistisch – was geil klickt, wird recycelt bis nichts mehr klickt. Gegen diese destruktiven Strukturen medialer Einförmigkeit müssen neue Erzählräume gestellt werden. Interessant ist doch: Gegenüber der enormen Unterhaltungs- und Erregungsdichte im Netz nimmt goodold Print gerade unbemerkt den Part einer kleineren Gegenöffentlichkeit ein.

Jasper Fabian Wenzel setzt mit dem Online-Magazin "Weeklys" auf Longform-Journalismus, kritisiert gleichzeitig die “hilflose Hektik” im verlagsgetriebenen Digitalgeschäft.

Das komplette Interview, erschienen bei VOCER, gibt’s hier.

I doubt that aesthetic literacy has much of a future here. Two decades on the size of the audience for the literary novel will be about the size of the group who read Latin poetry – read Latin poetry now, that is, and not who read it during the Renaissance.
American novelist Philip Roth in an interview with Cynthia Haven/Stanford University discussing “the end of a literary era”.